Integrative Medizin

Bei Integrativer Medizin handelt es sich um einen komplexen Themenbereich, der bis heute nicht einheitlich definiert worden ist.

Dennoch soll im Folgenden genauer erläutert werden, was Integrative Medizin eigentlich alles umfasst und einige Methoden, die praktiziert werden, vorgestellt werden.

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Was ist Integrative Medizin? – einige Definitionen

Integrative Medizin wird ebenfalls als Alternativmedizin bzw. Komplementäre Medizin bezeichnet.

Allgemein definiert, lässt sie sich als ergänzende Medizin zu wissenschaftlich begründeten medizinischen Methoden verstehen. Diese umfasst beispielsweise unterschiedliche Heilpraktiken, homöopathische Behandlungen, Naturheilverfahren oder Entspannungstherapien, wie auch die Traditionelle Chinesische Medizin.

Es gibt mehrere Definitionsansätze, um die Integrative Medizin zu beschreiben. Der Begriff der Komplementärmedizin soll verdeutlichen, dass diese medizinischen Verfahren nicht als Ersatz der konventionellen Medizin angesehen werden dürfen. Stattdessen sollen sie Alternativen bzw. Ergänzungen für Patienten darstellen, die für ihre Genesung auch unkonventionelle Heilmethoden zusätzlich zur etablierten Medizin beanspruchen möchten.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich bei der Alternativ- bzw. Komplementärmedizin häufig um Behandlungsverfahren, die nicht in der Tradition des eigenen Landes verankert sind oder in das vorherrschende Gesundheitssystem integriert sind. Daher kann auch der Begriff Traditionelle Medizin synonym verwendet werden. In englischsprachigen Ländern wird die Integrativ Medizin unter der Abkürzung CAM (Complemetary and alternative medicine) zusammengefasst.

Ziele der Integrativen Medizin

Die Wirkungen der Integrativen Medizin sind wissenschaftlich nicht belegt und es ist nicht bekannt, ob sie eine größere Wirkung als den Placebo-Effekt aufweisen. Dennoch soll die Integrative Medizin bei einigen Erkrankungen weitere Behandlungsmöglichkeiten darstellen. Das Ziel liegt hierbei nicht primär bei der Symptombekämpfung, wie es oftmals bei der klassischen Medizin der Fall ist, sondern die eigenen Regenerationskräfte des Körpers zu stärken.

Dies beruht auf der Annahme, dass es sich bei dem menschlichen Körper um ein komplexes Zusammenspiel der verschiedenen Organismen handelt, die in einem Fließgleichgewicht zueinander stehen. Dieses Fließgleichgewicht sorgt letztendlich für die komplexe psychische und physische Leistungsfähigkeit des Menschen. Aufgrund der Komplexität ist das gesamte System anfällig für Störungen, die dann allumfassend und symptomübergreifend behandelt werden sollen.

Wann kann Integrative Medizin sinnvoll sein?

Diese Frage lässt sich nicht einheitlich beantworten. Generell lässt sich sagen, dass jeder der unter einer Erkrankung leidet, es für sich persönlich in Betracht ziehen kann, sich zusätzlich alternativ behandeln zu lassen. Da sich allerdings die Wirkungen der Integrativen Medizin nicht wissenschaftlich über den Placebo-Effekt hinaus nachweisen lassen, spielt dieser in der Integrativen Medizin eine relativ wichtige Rolle.

Placebo-Effekt bedeutet hierbei, dass beispielsweise allein durch die Einnahme von homöopathischen Globuli Kopfschmerzen gelindert werden können, obwohl in diesen gar kein Schmerzmittel enthalten ist. Allein der Glaube des Patienten, er habe nun etwas gegen die Kopfschmerzen eingenommen, kann zur Freisetzung körpereigener Endorphine führen, wodurch die Schmerzen gelindert werden können. Dies hängt aber maßgeblich von der Einstellung des Patienten zur Behandlungsmethode ab. Daher muss der Patient selbst daran glauben und überzeugt sein, dass alternative Heilmethoden bei ihm Wirkung zeigen.

Darüber hinaus kann die Integrative Medizin einen wertvollen Beitrag bei chronischen Erkrankungen leisten. Auch bei Krebserkrankungen, Migräne, Diabetes, Rheuma, Allergien und Magen-Darm-Erkrankungen kann die Integrative Medizin sinnvoll sein. Bei all diesen und noch weiteren Erkrankungen kann sie das allgemeine Gesundheitsempfinden steigern. Gerade Patienten, die das dringende Bedürfnis empfinden, alle Optionen zur Linderung ihrer Krankheit auszuschöpfen, finden in der Integrativen Medizin zahlreiche Möglichkeiten.

Beispiele für Integrative Medizin

Homöopathie

Bei der Homöopathie handelt es sich um ein alternatives Heilverfahren, bei dem der Patient ein stark verdünntes Mittel eines Stoffes substituiert, das bei einem Gesunden in unverdünnter Form die gleichen bzw. ähnliche Krankheitssymptome auslöst. Mithilfe dieser Methode sollen die Selbstheilungskräfte des Körpers nach dem Ähnlichkeitsprinzip stimuliert werden. Das Konzept der Homöopathie geht auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755-1844) zurück. In der Regel dienen in der Homöopathie pflanzliche, mineralische oder auch tierische Bestandteile als Grundwirkstoffe, die anschließend auf Milchzuckermoleküle, sogenannte Globuli, getropft werden. Desweiteren gibt es auch alkoholische und nicht-alkoholische Lösungen. Insgesamt sind mehr als 1000 homöopathische Heilmittel bekannt.

Ein großer Vorteil der Homöopathie ist, dass sie von jedem genutzt werden kann, da sie so gut wie keine Nebenwirkungen auslöst. Daher ist sie besonders als ergänzendes Therapieverfahren für chronisch Erkrankte, immunsupprimierte Menschen, Alte, Schwangere, Kleinkinder und Babys geeignet. Jedoch darf sie nicht ausschließlich als einzigen Behandlungsweg in Betracht gezogen werden! Sie dient zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens, den Körper und den Geist betreffend. In seltenen Fällen kann es nach der Einnahme zu einer Erstverschlimmerung der Symptome kommen, die jedoch nicht mehr als wenige Stunden anhalten sollte. Um das richtige homöopathische Mittel für die eigene Therapie zu finden, sollte man sich von einem erfahrenen Homöopathen beraten lassen, um eine sichere Wirkung zu erzielen.

Osteopathie

Der Grundsatz der Osteopathie beschäftigt sich damit, dass sich Funktionsstörungen des Körpers in Form von Bewegungsbeeinträchtigungen manifestieren können. Dabei kann es zur Überkompensation eines anderen anderen körperlichen Abscnitts kommen. Zum Beispiel kann bei Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich die Wirbelsäule die Fehlhaltung bis zu einem gewissen Grad im Brust- und Halswirbelbereich ausgleichen, bis ihre Kapazitäten erschöpft sind. Das Resultat: die Schmerzen breiten sich auf den Hals- und Brustwirbelbereich aus und es können z.B. Bandscheibenprobleme auftreten. Die Osteopathie versucht in solchen Fällen, die Symptomatik ganzheitlich zu betrachten und zu behandeln. Das Prinzip geht auf den Amerikaner Andrew Taylor Still (1828-1917) zurück und befasst sich mit dem gesamten menschlichen Bewegungsapparat, Muskeln, Bänder und Gelenken. Ausschließlich durch nicht-medikamentöse Behandlung sollen Verspannungen, Blockaden und Strömungen durch Tasten mit den Händen erkannt und gelöst werden. Voraussetzung dafür ist ein ausführliches Gespräch über die Krankengeschichte des Patienten. Über die Symptomerkennung und -behandlung soll so die Ursache für das Leiden festgestellt werden.

Insgesamt lassen sich drei verschiedene Techniken der Osteopathie ableiten. Die strukturelle Technik umfasst wie oben beschrieben den Bewegungsapparat. Zusätzlich lässt sich eine viszerale und eine cranio-sacrale Therapie unterscheiden. Die viszerale Osteopathie behandelt innere Organe, Teile des Nervensystems und Gefäße. Es soll die Funktion der Organe unterstützt werden und damit die Selbstheilungskräfte des Körpers stimuliert werden. In der cranio-sacralen Ostepathie wird der menschliche Schädel und der Liquorfluss, also die Gehirnflüssigkeit untersucht. Störungen können sich auf den gesamten Körper ausbreiten, einschließlich des Nerven-, Gefäß- und Hormonsystems. Durch sanfte Druckstimulationen im Bereich des Schädels und weiteren Körperregionen soll dies ausgeglichen werden.

Osteopathie ist vor allem bei chronischen Beschwerden und andauerenden Schmerzen sinnvoll. Zu häufigen Krankheitsbildern, die osteopathisch behandelt werden zählen z.B. Bandscheibenvorfälle, Hexenschuss, Kiefergelenksprobleme und Folgen von Unfallsverletzungen. Dass die Osteopathie bei chronischen Schmerzerkrankungen Wirksamkeit zeigt konnte wissenschaftlich belegt werden. Trotzdem sollten Notfälle und beispielsweise Depressionen nicht in erster Linie osteopathisch, sondern nach den Regeln der konventionellen Medizin behandelt werden.

Akupunktur

Die Akupunktur ist ein wesentlicher Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die bereits vor mehr als 2000 Jahren entwickelt wurde. Mit feinen Nadeln wird in bestimmte Körperpunkte, sogenannte Akupunkturpunkte gestochen, um das Qi (Tschi) des menschlichen Körpers zu beeinflussen. Das Qi ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin die Lebensenergie des Menschen und entsteht aus dem Zusammenspiel zwischen Yin (Himmel) und Yang (Erde). Es strömt im Körper entlang definierter Bahnen, die als Meridiane bezeichnet werden. Insgesamt liegen 365 Akupunkturpunkte entlang der Meridiane. Mithilfe von feinen Nadelstichen kann der Energiefluss des Qi innerhalb der unterschiedlichen Meridiane beeinflusst werden, um Blockaden zu lösen. Dabei kann der Qi-Fluss entweder beschleunigt oder verlangsamt werden, um ein Gleichgewicht zwischen Yin und Yang wiederherzustellen.

Man unterscheidet verschiedene Akupunkturtechniken, eine Sonderform stellt die Ohrakupunktur dar. Sie beruht auf der Annahme, dass dem Ohr unterschiedliche Körperregionen zugeordnet werden können und somit der gesamte menschliche Körper über eine Ohrakupunktur beeinflusst werden kann. Eine weitere Methode ist die Yamamoto Neue Schädelaakupunktur (YNSA). Analog zur Ohrakupunktur sind hier unterschiedliche Körperregionen dem Schädel zugeordnet. Speziellere Methoden verwenden zusätzlich Hitze (Moxibustion), Laserstrahlen (Laserakupunktur), leichte Stromreize (Stromakupunktur) oder stimulieren Akupunkturpunkte mittels Massage (Akupressur).

Zu Beginn einer Akupunkturbehandlung wird zunächst die Krankengeschichte ausführlich festgehalten und eine körperliche Untersuchung durchgeführt, z.T. auch nach den Regeln der Schulmedizin, um die geeigneten Akupunkturpunkte zu bestimmen. Die Nadeln sind gerade einmal 0,2 bis 0,4 Millimeter dick und speziell geschliffen, um ein schmerzfreies Einstechen zu ermöglichen. Je nach körperlicher Verfassung des Patienten werden die ausgewählten Akupunkturpunkte mit zehn bis zwanzig Nadeln stimuliert und verbleiben etwa zehn bis dreißig Minuten in der Haut. Die Wirkung kann über zusätzliches Drehen und tieferes Einstechen intensiviert werden. Während und nach der Behandlung kann sich das sogenannte De-Qi-Gefühl einstellen, bei dem der Patient leichtes Kribbeln, Taubheits- und Schweregefühl an den Einstichstellen empfindet. Nebenwirkung bei der Behandlung sind selten, es kann zu leichten Rötungen und kleinen Einblutungen an den stimulierten Hautbereichen kommen. Wie schnell die Akupunktur wirkt lässt sich nicht generell sagen und ist abhängig von der Erkankung. Generell kann Akupunktur vor allem bei folgenden Erkrankungen in Erwägung gezogen werden: chronische Kopf- oder Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Heuschnupfen, Allergien, Erbrechen, Übelkeit, bei Menstruationsbeschwerden und zur Geburtsunterstützung. Die Wirkungen der Akupunktur fallen ganz unterschiedlich aus. Schmerzlinderung, psychischer Ausgleich bei Stress, Einflussnahme auf Hormonkreisläufe, Durchblutung, Muskelspannung und das vegetative Nervensystem sind typisch.

Naturheilkunde

Mittlerweile sind bereits über 3000 Heilpflanzen bekannt, die Symptome bei Erkrankungen lindern oder sogar heilen können. Mehr als 500 Heilpflanzen dienen zur Entwicklung pflanzlicher Arzneimittel. Dabei werden meistens die Planzen als Ganzes oder in Teilen verwendet. Manchmal müssen die wirksamen Heilstoffe zunächst isoliert werden und bedürfen einer geringeren Dosierung, da sie ansonsten toxisch wirken können. Ein Beispiel ist das aus der Tollkirsche gewonnene Atropin, das unter Anderem die Pupillenweitstellung beim Augenarzt bewirkt.

Heilpflanzen können auch selber angewendet werden. Üblicherweise erhält man ihre Wirkstoffe in Form von Tees, Dragees, Salbe, Sirup oder Tropfen. Diese können entweder selbst hergestellt werden oder sind in der Apotheke erhältlich. Wirklich wirksame Formen von Heilpflanzen erhält man fertig in der Apotheke. Bei der eigenen Herstellung muss sich genauestens mit der Anwendung und Zubereitung informiert werden. Heilpflanzen entfalten ihre Wirksamkeit vor allem bei leichteren Erkrankungen und Beschwerden, Halsschmerzen können beispielsweise mit einer Gurgellösung aus Thymian und Salbei gelindert werden, Ingwer hilft bei Übelkeit und Baldrian bei Einschlafproblemen und nervöser Unruhe. Weitere Heilpflanzen wirken nachweislich antiinflammatorisch und schmerzlindernd.

Allgemeine Vor- und Nachteile der Intergrativen Medizin

Die Meinungen über Integrative Medizin gehen weit auseinander. Oftmals wird sie seitens der klassischen Schulmedizin als unwirksam dargestellt. Fakt ist, dass zahlreiche Methoden der Integrativen Medizin wissenschaftlich nicht belegt und nachgewiesen werden können. Bei Behandlungsmethoden, wie beispielsweise der Osteopathie sieht dies etwas anders aus, da es wissenschaftliche Studien gibt, die die Wirksamkeit dieses Verfahrens bestätigen. Dementsprechend ist der Anklang dort in der konventionellen Medizin größer. Allgemein als Vorteil der Integrativen Medizin lässt sich festhalten, das einige Behandlungsmethoden wie z.B. die Phytotherapie, also die Behandlung mit Naturheilpflanzen leichte Symptome und Erkrankungen nachweislich mildern können. Dafür muss nicht auf industriell gefertigte, chemische Medikamente zurückgegriffen werden. Daher stellen sie eine gute und wirksame Alternative zum Beispiel bei Erkältungen oder Schnupfen dar. Ein kleiner Nachteil ist lediglich, dass sie oftmals etwas langsamer als herkömmliche Medikamente wirken.

Ebenfalls bei chronischen Erkrankungen können Methoden der Integrativen Medizin Wirkung zeigen, wenn auch nicht immer wissenschaftlich belegt. Hierbei ist maßgeblich darauf zu achten, dass sie wirklich nur zusätzlich und nicht ausschließlich zur Behandlung der Erkrankung in Erwägung gezogen werden. Es gibt beispielsweise zahlreiche Ernährungsformen, die bei Krebserkrankungen helfen sollen, aber nicht als zuverlässig gelten. In diesen Krankheitsdimensionen sind die Praktiken der Schulmedizin unerlässlich und keinesfalls ersetzbar.

Ein weiterer großer Vorteil der Integrativen Medizin besteht darin, dass Heilpraktiker und z.B. Ärzte der Traditionellen Chinesischen Medizin in der Regel mehr Zeit für ihre Patienten haben und diese dadurch auch wirklich ganzheitlich behandeln können. Für den Patienten bedeutet dies, dass er sich aufgehoben fühlt und verstanden wird. Etwas was in der Schulmedizin leider immer noch zu oft zu kurz kommt. Die Integrative Medizin kann auf diesem Wege die Auseinandersetzung zwischen Patient und seiner Erkrankung fördern.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Integrative Medizin eine gute Ergänzung in Kombination mit der konventionellen Medizin darstellt. Sie ist durchaus keine ausschließliche Alternative zur Schulmedizin, kann aber in vielen Bereichen das allgemeine Gesundheitsempfinden und die Symptomatik zahlreicher Erkrankungen lindern. So ist es jedem selbst überlassen, ob er zur ganzheitlichen Behandlung zusätzlich noch zu Praktiken der Integrativen Medizin zurückgreift oder eher nicht.